Die Ausstattung der NVA bis ins Jahr 1995
Übersicht und Schlussfolgerungen

Aus folgenden Dokumenten und Unterlagen ergibt sich eine Übersicht zum Thema
"Die Ausstattung der NVA bis ins Jahr 1995":

- A: Empfehlungen des "Militär Wissenschaftlich-Technischen Rates" des Warschauer Vertrages
- B: Analyse der Altersstruktur ausgewählter Hauptarten der Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung
- C: Meldung über Lieferungen von K, B und A zur Ausstattung der NVA in den Jahren 1989 und 1990
- D: enthalten im Verzeichnis für Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung seit ...
- E: Übergabe- /Übernahmeprotokoll zwischen NVA und Bundeswehr 1990
- F: Bestandsmeldung Nachrichten 1989
 
Waffensysteme
zu A
zu B
zu C
zu D
zu E
zu F
Verbesserung Panzerabwehr            
Neuzufuhr T 72S
x
         
Mittlerer Panzer T 72S
- aktive Zusatzpanzerung - vordere kleine Kettenabdeckung (Ohren) aus Gummi - 125-mm- Panzerkanone zum Verschuss der PALR 9M119 "Swir"
           
Modernisierung T 72
x
x
 
-
 
 
weitere Zufuhr Bergepanzer T 72TK
 
 
x
1989
 ja
 
Modernisierung T 55A
x
x
 
-
 
 
Modernisierung BMP 1 SP2
x
x
 
 
 
 
SPz BMP 1P
- Ladeautomatik ist ausgebaut - neu ist die PALR 9M113 "Konkurs" - am Turmheck neu eine Nebelgranatverschussanlage
           
 Neueinfuhr SPW 80
x
 
 
nein
 nein
 
weitere Zufuhr SPW 70/S
 
 
x
1977
 ja
 
  weitere Zufuhr BMP 2
x
 
 
1983
 ja
 
weitere Zufuhr Fahrzeug der technischen Hilfe auf BMP 2
 
 
x
1988
 ja
 
weitere Zufuhr PALR KONKURS durch Lizenzproduktion
x
x
x
-
 ja
 
weitere Zufuhr PALR BASTION durch Lizenzproduktion
x
x
x
-
 nein
 
weitere Zufuhr SPW 40P2 9P148
x
x
x
1988
ja
 
weitere Zufuhr Panzerbüchse SPG-9
   
x
1967
ja
 
neue Artilleriesysteme            
 Neuzufuhr 152-mm-Haubitze MSTA-B
x
 
 
nein 
nein 
 
weitere Zufuhr 122-mm-Geschoßwerfer RM-70M
   
x
1973
ja
 
Neuzufuhr 120-mm-Granatwerfer SANI
   
x
nein
nein
 
Neuzufuhr 120-mm-Granatwerfer-SFL Tundscha
x
 
 
1985
 nein
 
120-mm-Granatwerfer-SFL "Tundscha"
- Basisfahrzeug MT-LB - 120-mm-GW 38/43 - GW kann auch vom Boden eingesetzt werden
           
Verbesserung Luftabwehr
 
 
 
 
 
 
weitere Zufuhr Fla-Rak-System S-300 PMU
x
x
x
1988 
ja 
 
Startrampe 5P85SU
- zum Komplex gehören 4 SR auf Basis MAZ 543M
- vertikaler Start der Rakete - Reichweite der Raketen bis 75 km - Schusstempo bei 3 - 5 s
Aufhell- und Leitstation 30N6
- zum Komplex gehört ein System auf Basis MAZ 543M - dient der Suche und Aufklärung von Zielen sowie der Steuerung der Raketen
Universelle hydraulische Antennenmastanlage 40W6M
- zum Komplex gehören 2 Anlagen auf Spez.-SA-AUFL MAZ 537G - Aufklärung und Begleitung tieffliegender Ziele in bewaldetem oder stark durchschnittenem gelände
           
weitere Zufuhr von Komponenten des Fla-Rak-System WEGA
 
 
x
1982
ja
 
weitere Zufuhr von Komponenten des Fla-Rak-System NEWA
 
 
x
fehlt
ja
 
weitere Zufuhr Abfangjagdflugzeug MiG-29
 
 
x
fehlt
ja
 
Neuzufuhr Fla-Rak-System Strela 10M2
x
x
 
nein
nein
 
Neuzufuhr Fla-Rak-System BUK
x
 
 
nein
nein 
 
weitere Zufuhr 23-mm-Flak ZU 23/2
 
x
x
1964
ja
 
weitere Zufuhr Starteinrichtung IGLA 1Ä
 
x
x
1989
ja
 
Führungssysteme            
 weitere Zufuhr AFFS PASUV und Neuzufuhr AFFS PASUV R mit REDUT-2
x
x
 
1985
nein 
 
 weitere Zufuhr Feuerleitkomplex 1W12 MASCHINA
 
x
 
1976 
ja
 
 Neueinfuhr Aufklärungs- und Führungssystem 9S80
 
x
 
-
nein
 
Aufklärungs- und Führungssystem 9S80
- dient der Führung der Batterien der TLA der MSR/PR - eingesetzt in Einheiten mit Strela-10 und Strela-10M2, Tunguska und Shilka - kann selber den Luftraum beobachten und Informationen per Datenfernübertragung an genannte Waffensysteme übertragen
           
 weitere Zufuhr automatisches Informationsbearbeitungs- und Übertragungssystem PORI
 
 x
 
fehlt
 ja
 
Informationsbearbeitungs- und Übertragungssystem PORI
-zur Sammlung und Bearbeitung von Luftlage-Informationen - gleichzeitig können bis zu 120 Flugobjekte bearbeitet werden
           
 weitere Zufuhr automatisiertes Führungssystem POLJE
 
 x
 
1986
 ja
 
automatisiertes Führungssystem POLJE
- gewährleistet automatische und halbautomatische Abnahme von Funkmeßinformationen und Steuerung von drei 2- oder 3-Koordinaten-Funkmeßstationen und zwei Höhenmessern - automatische Begleitung von 30 Luftzielen - automatische Abfrage und Zuordnung der Kennung - Reichweite bis 600 km
           
Neuzufuhr automatisiertes Führungssystem POLJANA D-1
 
x
 
1989
 nein
 
Neuzufuhr automatisiertes Führungssystem OSNOWA-1Ä
 
x
 
1988
nein
 
Neuzufuhr automatisiertes Führungssystem DUNAJEZ DR-20NS
 
x
 
1990
nein
 
Verbesserung Luftaufklärung            
weitere Zufuhr Funkmeßstation ST-68U
x
x
x
1983
ja
 
weitere Zufuhr Funkmeßstation P-19-4
x
 
x
fehlt
ja
 
 Neuzufuhr Funkmeßstation NEBO
 
x
 
1990
nein
 
Funkmeßstation "Nebo"
- Aufklärung, Erkennung uns Messung von drei Koordinaten potentieller Luftziele - Aufklärungsentfernung bei Zielen in 20.000 m Höhe bis 400 km - arbeitet autonom oder im Bestand automatisierter Führungssysteme
           
Neuzufuhr Funkmeßstation PSNR-5
 
 
x
1987
nein
 
 Neuzufuhr Funkmeßstation KUPOL M1
 
x
 
fehlt
nein
 
 Funkmeßstation KUPOL M1
Aufklärungs- und Zielzuweisungsstation für das Fla-Raketensystem "BUK" - Aufklärungsentfernung bis 120 km - bis zu 46 Ziele können von einer Station bearbeitet werden - bis zu sechs Zielzuweisungen gleichzeitig
           
Neuzufuhr Funkmeßstation KASTA-2
 
x
 
1990
nein
 
Funkmeßstation KASTA-2
- zum Auffassen tieffliegender Ziele und Flügelraketen - Bestimmung deren Charakterisierung und Abgabe der Luftlage-Informationen an den Gefechtsstand
- besonders zur Aufklärung von "Stealth"-Zielen, auch auf Wasseroberflächen geeignet - Reichweite bis 150 km
           
Neuzufuhr Funkmeßstation DESNA-M
 
x
 
1990
nein
 
Neuzufuhr Funkmeßstation SCHKWAL-2
   
x
fehlt
nein
 
weitere Zufuhr Funkmeßstation SNAR-10
   
x
1977
ja
 
Neuzufuhr automatischer Schallkomplex AZK-5
   
x
fehlt
nein
 
weitere Zufuhr Höhenmesser PRW-17-1
 
x
x
1985
ja
 
Verbesserung von Nachrichtenverbindungen und -systeme            
weitere Zufuhr Funkstellen R-161 A2M des Front-/Armeenetzes
 
x
x
1990
ja
ja
weitere Zufuhr Funkgerätesatz R-161-5
 
 
x
1990
ja 
 ja
weitere zufuhr Funkstation R-158
 
 
x
fehlt
nein 
 ja
weitere Zufuhr Funkstation R-159
 
 
x
fehlt 
nein 
 ja
weitere Zufuhr Troposphärenrichtfunkstation R-412A
 
 
x
1980
ja 
 ja
weitere Zufuhr Troposphärenrichtfunkstation BAGET S
 
 
 x
1989 
nein 
 ja
weitere Zufuhr Richtfunkstation R-414-3
 
 
 
1982 
nein 
 ja
weitere Zufuhr Richtfunkstellen R-414-4
 
x
x
1982
ja 
 ja
weitere Zufuhr Gerätesatz SRTR-D zur Funkaufklärung
 
x
x
1989
nein 
 ja
Neuzufuhr Funkpeilgerätesatz KRTP-86
 
 
 x
1989 
nein 
 nein
weitere Zufuhr Trop.- u. Sattellitenaufklärungsstation NAPRAFORGO-M
 
 
x
1987 
nein 
 ja
Neuzufuhr Funkstörstation UKOL-2
 
 
x
1989
nein 
 nein
Neuzufuhr Artilleriestörsender STYRSCHEL
 
 
x
fehlt 
nein 
 nein
Neuzufuhr Schlüsselgerät T-230-2
 
 
 x
fehlt
nein 
 nein
Neuzufuhr Schlüsselgerät T-219.II/III
 
 
x
fehlt 
nein 
 nein
Neuzufuhr Schlüsselgerät T-817NM
 
 
 x
fehlt
nein 
 nein
weitere Zufuhr Funkstörgeräte R-378
 
x
 
1977 
nein 
 ja
neue Pioniertechnik            
Neuzufuhr Planierraupe DZ-110A
 
x
 
fehlt 
nein 
 
Neuzufuhr Minenleger SUM
x
x
 
1988 
nein 
 
Minenlegefahrzeug SUM
zum Anlegen von Minenfeldern
- eingesetzt im Bestand der BSA/MSR bzw. BSA/MSD/PD
- Hauptausrüstung sind Kasettenspeicher für 250 Panzerminen, Verlegeeinrichtung und Pflug
- geplant für die NVA 60 Stück
           
 weitere Zufuhr Grabenbagger TMK-2
 
x
 x
1986
ja 
 
Grabenbagger TMK-2
- Stellungsbaumaschine zum Ausheben von Schützen- und Verbindungsgräben
- ausgerüstet mit Grab- und Schleuderwerkzeug
- geplant für die NVA 113 Stück in den Mot-Schützen- und Pioniertruppenteilen der LaSK
           
Neuzufuhr Straßenbaumaschine PKT-2
 
x
 
1991
nein 
 
Straßenbaumaschine PKT-2
- Planiergerät auf Räderbasis
- in den Straßenbaueinheiten der LaSK eingesetzt
- geplant für die NVA 40 Stück
           
Neuzufuhr Brückenbaukomplex USM-2
 
x
 
fehlt
nein
 
weitere Zufuhr Radlader SL-34
 
x
 
1981
ja
 
Radlader SL-34
- zum Ausheben von Stellungen und Deckungen sowie Gruben
- zu Planierarbeiten beim Anlegen von Kolonnenwegen
- zum Instandsetzen von Marschstraßen
- in den Straßenbaueinheiten sowie in Pionierbaueinheiten der NVA
           
neue Schutzausrüstung
           
Neuzufuhr Komplex zur Ortung von Kernwaffendetonationen K 612KA
 
x
 
fehlt
nein
 
Komplex zur Ortung von Kernwaffendetonationen 
K 612KA
- zur Bestimmung der Anfangsangaben von Kernwaffendetonationen (u.a. Detonationsstärke, Höhe und Koordinaten der Detonation)
           
weitere Zufuhr KC-Aufklärungsfahrzeug UAZ-469 RCh
 
x
x
1977
ja
 
weitere Zufuhr Fahrzeug zur Spezialbehandlung ARS-14
 
x
x
1989
ja
 
Neuzufuhr Fahrzeug für sanitäre Behandlung DDP-2
     
fehlt
nein
 
Neuzufuhr Fahrzeug für sanitäre Behandlung DDP-3
     
fehlt
nein
 
Verbesserung Ausrüstung der Volksmariene
           
weitere Zufuhr Raketenartillerieschnellboot Projekt 151
 
x
x
fehlt
ja
 
weitere Zufuhr Küsten-Raketenkomplex RUBESH
x
 
x
1980
ja
 
Startrampe des Küsten-Raketenkomplexes "Rubesh"
zur Führung von Raketenschlägen gegen Überwasserziele mit Raketen P21/22
- eingesetzt in den Küstenraketenabteilungen
- reichweite der Raketen bis 80 km
 
           

Nicht unerwähnt bleiben soll die weitere Zufuhr von:
    Militärfahrzeugen mit Allradantrieb:
            - LKW LO 2000A Pritsche
            - LKW L 60 APN Pritsche
            - LKW 6x6 Tatra 815 VVN
            - Sattelzugmaschine Tatra 815
            - Geschädigtentransportwagen LUAZ 967M
            - Tankfahrzeug CAPL-16
            - Tankfahrzeug AC 7-4310
            - Tankfahrzeug "Liska" CA-18
            - PKW UAZ 315136
    Allgemeine LKW:
            - LKW B1000
            - Sankra LO 2000A
            - LKW L 60
    Schwerlastenanhänger/Tieflader 60t
 

Das Bildmaterial stammt aus folgenden Quellen:
"Deutsche Militärfahrzeuge  Bundeswehr und NVA"
"Automatisierte Systeme der Führung und Aufklärung der Luftverteidigung Katalog 1. Teil" von Erhart Gerecke
"Bildteil Deutscher KSE-Katalog"
"Bildteil Polnischer KSE-Katalog"
 
 

Schlußfolgerungen

Insgesamt gesehen ergeben sich drei Schwerpunkte für die weitere Ausstattung der NVA mit Technik für die Jahre 1990 bis 1995.

Zum Ersten die Verbesserung der Panzerabwehr und Luftverteidigung, zum zweiten die Verbesserung der Führung der Einheiten und zum Dritten die Modernisierung der Systeme des Stellungs-und Straßenbaus.

Der Warschauer Vertrag präsentierte sich in den 80er Jahren als reine Verteidigungskoalition. Der Gegner, also die NATO, wurde als Angreifer dargestellt. Es wurde ein massiver Angriff zu Lande und aus der Luft angenommen. Die Verteidigungsdoktrin des WV sah eine Abwehr eines solchen Angriffs vor und ein Zurückdrängen des Gegners bis an seine eigenen Grenzen. Weiter wollte man nicht gehen. Um einen solch gewaltigen Angriff abwehren zu können, war es unumgänglich, den Luftraum zu beherrschen und starke Panzerabwehrkräfte einsetzen zu können. Die NVA besaß alleine Anfang 1990 rund 10.300 Fla-Raketen auf Systemen der LaSK und noch einmal rund 4.750 Fla-Raketen im Bestand der Luftverteidigung. Davon 144 Raketen modernster Bauart. Dabei sind noch nicht aufgeführt die Fla-Raketen der Luftstreitkräfte und der Volksmarine, die Luft-Luft-Raketen und die Flak-Munition. Weiterhin befanden sich rund 38.600 Panzerabwehrlenkraketen allein im Bestand der LaSK. Nicht berücksichtigt die Panzerabwehrmunition für Panzer, SPz und Artilleriesysteme.
Munition war genug da. Jetzt ging es darum, diese Waffen rechtzeitig und optimal einzusetzen.
Die Aufklärung des Luftraumes sollte durch modernste Funkmeßstationen sichergestellt werden. Der optimale Einsatz aller Fla-Raketen-Systeme der LaSK sowie der LSK/LV im Verbund konnte durch neuste Führungssysteme koordiniert werden. An einem armeenübergreifenden Führungssystem wurde intensiv gearbeitet. Wie richtig und demzufolge überaus wichtig gerade diese Aufgabe war, zeigt sich an den Operationen der NATO nach 1990. So zeigte sich im Golf-Krieg, im Balkankrieg und jüngst auch in Afghanistan, dass alle Kriege in hohem Maße aus der Luft geführt wurden. Zu erst wurden strategische Ziele durch die Luftwaffe zerstört, dann kam der Einsatz der Bodentruppen.
Für die Abwehr von Bodentruppen wurden für die NVA neue pioniertechnische Geräte geplant, so neue Minenleger, Straßenbagger, Planierraupen und Radlader. Das Hauptaugenmerk richtete sich aber auf die Abwehr massiver Panzerangriffe. Vorallem durch den massierten Einsatz von PALR sollte diese Aufgabe gelöst werden. Dieses mobile Waffensystem konnte von fast allen Fahrzeugen, egal ob Panzer, SPW, SPz, Hubschraubern oder von tragbaren Komplexen verschossen werden.
Die DDR , zusammen mit der CSSR, begann mit der Lizenzproduktion der PALR 9M113 Ende der 80er Jahre. Geplant waren alleine für die bewaffneten Organe der DDR 18.000 Stück. Hinzu sollten noch einmal 1.200 PALR 9M117 "Bastion" kommen. Weiterhin war die Produktion der PALR 9P119 "Swir" in Kooperation mit Bulgarien angedacht. Ökonomische, aber auch technische Probleme ließen die Produktion der PALR nicht über das Anfangsstadium hinauswachsen.
 
 
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