Wenn im ersten
Teil der Recherchen zum genannten Thema der "Militärischen Wissenschaftlich-technischen
Rat" des Warschauer Vertrages als Empfehlungsgeber auftrat, so ist es in
diesem Teil eine Analyse der Altersstruktur ausgewählter Hauptarten
der Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung. Diese Analyse wurde im
November 1989 durch den Stellvertreter des Ministers und Chef Technik und
Bewaffnung in Auftrag gegeben.
Die bestimmenden Hauptrichtungen in der Ausrüstung der NVA bis 1988 bildeten:
Landstreitkräfte
- weitere Angleichung an die Truppenstruktur und Ausstattung u.a. mit mittleren
Panzern T 72, SPz BMP,
152-mm-SFL-Haubitze Akazia, 122-mm-SFL-Haubitze Gwosdika;
- Erhöhung des Anteils taktischer Raketenkomplexe des Systems Totschka;
- Ausstattung der Armeefliegerkräfte mit Kampfhubschraubern Mi 24D;
Luftstreitkräfte/Luftverteidigung
- Erhöhung der Gefechtsmöglichkeiten zur Vernichtung des Luftgegners
in allen Höhenbereichen durch Jagdflugzeuge
MiG 21BIS, MiG 21MF, MiG 23ML und MiG 29;
- Zuführung von Fla-Raketensystemen NEWA, S-200 WÄ und S 300
PMU zum Ausbau der Luftverteidigung des Landes;
Volksmarine
- Verstärkung der Schiffsstoßgruppierung durch kleine Raketenschiffe
Projekt 1241, Küstenschutzschiffe Projekte 1331
und Küstenschutzschiffe Projekt 1159;
- Ausbau der Marinefliegerkräfte mit Flugzeugen des Typs SU 22M4,
Hubschraubern Mi 14PL und Mi 14BT;
- Ausstattung mit Küstenraketenkomplexen Rubesh Ä.
Der Einführungsverlauf der Militärtechnik (MT) vollzog sich von 1971 bis 1985 in raschem Tempo. Im Planzeitraum 1986 bis 1990 verlangsamte sich die Einführung neuer Typen im Ergebnis militärpolitischer Entscheidungen zur Umsetzung der Militärdoktrin der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages sowie volkswirtschaftlicher Erfordernisse.
Die Altersstruktur
der MT zeigt, dass die NVA über ein bedeutendes Potential an moderner
MT verfügt. Gleichzeitig ist erkennbar, dass ein beträchtlicher
teil der MT zunehmend veraltert und bei der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft
zum Teil ernste Probleme auftreten. Deshalb:
- weitere Zuführung an MT zur Ausstattung und Umrüstung
- wichtige Modernisierungsmaßnahmen zur Kampfwertsteigerung der MT,
- umfangreiche industrielle und Truppeninstandsetzung zur Aufrechterhaltung
der Einsatzbereitschaft der MT.
Trotzdem wird
bis 1995 keine prinzipielle Verbesserung der Altersstruktur erreicht. Deshalb
werden neben neuen auch weiterhin ältere Typen der MT im Bestand verbleiben.
Einschätzung der Altersstruktur, aufgegliedert auf einzelne Bedarfsträger.
1. Raketentechnik
und Artilleriebewaffnung
- 100% der 122-mm-Haubitzen M-30, der 82-mm- und 120-mm-Granatwerfer, der
Gefechtsfahrzeuge für PALR des Systems
Maljutka 9P110, der Fla- und Artilleriefunkmeßstationen RBS-15M,
AFMS-2 und AFMS-6 sind über 20 Jahre in der Nutzung
- 65% der 130-mm-Kanonen M-46 und
- 45% der 122-mm-Geschoßwerfer BM-21.
- Zwei Drittel des Bestandes an 23-mm-Fla-SFL Schilka sind älter als
16 Jahre.
- Für die Raketenkomplexe 8K14 und LUNA-M erfolgte 1986 die Produktionseinstellung.
Der Bestand an Raketen verringert sich
durch geplante Gefechtsstarts und das Erreichen der Grenznutzungsfrist.
Nach 1995 müssen beide Komplexe etappenweise
ausgesondert werden. Nachfolgesysteme sind zur Zeit noch nicht bekannt.
- Die im Zeitraum 1976 bis 1981 eingeführten Fla-Raketenkomplexe KRUG
und KUB können unter Berücksichtigung der weiteren
Verringerung des Vorrates an Raketen und Ersatzteilen noch bis zum Jahr
2000 genutzt werden. Die Aussonderung der im
Zeitraum 1974 bis 1976 eingeführten Systeme ist bis 1993 vorgesehen.
Die Modernisierung mit dem Funkmeß-Kennungssystem PAROL ist bis 1993
geplant.
Folgende Zuführungen
an wichtiger Militärtechnik sind bis 1995 geplant:
-
Gefechtsfahrzeuge des PALR-Komplexes Konkurs
- Starteinrichtungen für PALR KONKURS/FAGOTT 9P135M1
- Panzerbüchsen SPG-9
- Starteinrichtungen des Fla-Raketenkomplexes IGLA-1Ä
- Gefechtsfahrzeuge des Fla-Raketenkomplexes STRELA-10M2
- Flak ZU 23/2
- Feuerleitkomplex MASCHINA für 122-mm-SFL-Artillerie
- Aufklärungs- und Führungssystem 9S80
- automatisierte Informationsbearbeitungs- und Übertragungssystem
PORI
- Funkmeßstation KUPOL M1
2. Panzertechnik
Alle im Bestand
befindlichen mittleren Panzer T 54A, SPW 60PA, SPW 152W1 und SPW 40P sind
länger als 20 Jahre in der Nutzung. Diese technik besitzt nur noch
geringen Kampfwert und ist mit Ersatzteilen/Baugruppen nicht mehr sicherzustellen.
Die etappenweise
Aussonderung in den 90er Jahren wird im Zusammenhang mit den Maßnahmen
der Festlegung der Obergrenzen erforderlich.
Das betrifft
aus Sicherstellungsgründen auch den SPW PSH der Grenztruppen der DDR.
Folgende wesentliche
Maßnahmen sind bis 1995 vorgesehen:
- Durchführung von 140 Modernisierungen zur Erhöhung des Kampfwertes
der Mittleren Panzer T 72 durch Angleichung
an den technischen Stand des Panzers T 72M1
- Fortsetzung der im Jahre 1986 begonnenen Modernisierung der mittleren
Panzer T 55A zum T 55AM2 bzw. T 55 AM2B bis
1995 mit 495 Stück, davon 150 Stück mit Lenkwaffenkomplex BASTION
- Verstärkung der Panzerabwehr durch weitere Umrüstung von SPz
BMP 1SP2 zum BMP 1P mit PALR-System KONKURS bis
Ende 1989 mit 283 Stück, bis 1995 weitere 230 Fahrzeuge
3. Nachrichtentechnik
Ein Lebensalter
von über 20 Jahren haben:
- 100% der Funkstellen des Front-/Armeenetzes R-102, 46% der Geräte
R-118;
- 80% der Kdo.-Stabsfahrzeuge R-125;
- 56% der Richtfunkstellen R-404.
Ein großer
Teil dieser Technik ist nur noch bedingt einsatzbereit und zwingt zu notwendigen
Aussonderungen. Neben der Produktionseinstellung von Baugruppen und Ersatzteilen
ist die Aussonderung durch das technische Lebensende der Basisfahrzeuge
bedingt.
An Zuführungen
sind u. a. vorgesehen:
- Funkstellen R-161 A2M des Front-/Armeenetzes
- Richtfunkstellen R-414-3
- Gerätesatz SRTR-D zur Funkaufklärung
- Funkstörgeräte R-378
- Richtfunkgerätesatz PCM
- Beginn der Einführung des teilautomatisierten mobilen Nachrichtensystems
REDUT-2
4. Pioniertechnik
Ein Lebensalter
von über 20 Jahren haben 29% der Planierraupen und 55% der Minenlegegeräte
MLG-60M erreicht.
Bei Pioniertechnik,
die älter als 15 Jahre ist, steigt der Instandsetzungsaufwand spürbar
an. Für 6 Haupttypen aus dem Import (Basisfahrzeuge KrAZ 214, Planierraupe
T 100 und BAT, Grabenbagger BTM und Universalpioniermaschine DOK) sowie
für die Elektroaggregate GAD-16 und GAD-30 aus DDR-Produktion ist
die Ersatzteilversorgungspflicht erloschen.
An wichtigen Zuführungen
sind u. a. geplant:
- Planierraupe DZ-110A
- Minenleger SUM
- Grabenbagger TMK-2
- Straßenbaumaschine PKT-2
5. Spezialtechnik
der Chemischen Dienste
Ein Lebensalter
von über 20 Jahren haben die Fahrzeuge der Spezialbehandlung ARS-12U
erreicht. Diese Fahrzeuge sowie ein Teil der Spezialfahrzeuge DA-66 und
EA-65 mit einer Nutzungsdauer von 15 Jahren werden bis 1995 ausgesondert.
Bei der Sicherstellung
der Instandsetzung von lichttechnischen Anlagen K 601S und von Anlagen
zur Spezialbehandlung TZ 74 auf TATRA 148 werden in zunehmendem Maße
Schwierigkeiten auftreten, da die Ersatzteilproduktion ab 1990 eingestellt
wird.
An wichtigen Zuführungen
bis 1995 sind u. a. vorgesehen:
- Komplex zur Ortung von Kernwaffendetonationen K 612KA
- KC-Aufklärungsfahrzeug UAZ-469
- Fahrzeug zur Spezialbehandlung ARS-14
6. Haupttechnik
der LSK/LV
Eine ungünstige
Altersstruktur haben die Abfangjagdflugzeuge MiG-21SPS und Fla-Raketensysteme
DWINA, die ein Lebensalter von über 20 Jahren erreicht haben. 57%
des Bestandes an Fla-Raketenkomplexen sind 16 Jahre und älter.
Die im Bestand
vorhandenen Abfangjagdflugzeuge MiG-21SPS, MiG-21M und MiG-21MF werden
auf Grund ihrer flugtaktischen Parameter den heutigen Anforderungen zur
Bekämpfung des Luftgegners nicht mehr gerecht.
Die Gefechtsmöglichkeiten
des Fla-Raketenkomplexes DWINA sind nicht mehr ausreichend. Das System
besitzt keine Einrichtungen, die seinen Schutz vor aktiven und passiven
Störungen gewährleistet. Unter Berücksichtigung der Gefechtsmöglichkeiten,
des Ablaufs der Nutzungsdauer der Fla-Raketen W-750 im Jahr 1991 und der
Einstellung der Ersatzteillieferungen ab 1990 wird es erforderlich, einen
Vorschlag zur Aussonderung des Fla-Raketenkomplexes DWINA zu unterbreiten.
Es wird erwartet,
daß die Nutzungsdauer für die Fla-Raketenkomplexe WOLCHOW wird
auf 30 Jahre und NEWA auf 25 Jahre erhöht werden.
An wichtigen Zuführungen
sind geplant:
- Abfangjagdflugzeug MiG-29
- Transporthubschrauber Mi-8T
- Fla-Raketenkomplex S-300PMU
- Funkmeßstation KASTA-2
- Funkmeßstation DESNA-M
- Funkmeßstation ST-68U/UM
- Funkmeßstation NEBO
- Höhenmesser PRW-17-1
- automatisiertes Führungssystem POLE
- automatisiertes Führungssystem OSNOWA-1Ä
7. Haupttechnik
der Volksmarine
Der Schwerpunkt
liegt bei Raketenschnellbooten Projekt 205, von denen 75% über 20
Jahre alt sind. Sie erreichen 1995 ein Dienstalter von über 30 Jahren,
sind technisch verschlissen und werden ausgesondert.
Fehlende Ersatzteillieferungen
gefährden insbesondere die Einsatzbereitschaft der Artilleriesysteme
auf den Kampfschiffen.
An wichtigen Zuführungen
sind u. a. geplant:
- kleine Raketenschiffe Projekt 151
- Küstenwachboote Projekt 155
- schwachmagnetische Reede-Räumboot Projekt 415
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