Verzeichnis der Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung

Die NVA führte seit 1956 das Verzeichnis der Bewaffnung und Ausrüstung, das sogenannte "VdBA".
Im Verzeichnis der Bewaffnung und Ausrüstung war die gesamte Bewaffnung und Ausrüstung, die in der NVA verwendet wird, zusammengefasst.
Der Bogen spannte sich dabei vom schweren Panzer über die verschiedensten Artilleriewaffen nebst Instandsetzungstechnik und Kampfsätzen, weiter über diverse Funkgeräte bis hin zu Flugzeugen, Sanitätsausrüstung und Handfeuerwaffen. Aber auch sämtliche Kfz-Technik, Unterkunftsausstattung und persönliche Ausrüstung des Soldaten wurde genau nachgewiesen.

Grundsätzlich war des VdBA in Abschnitte gegliedert. Es gab die Abschnitte I, II, III A und III B. Im VdBA war in Spalte 1 der verantwortliche Chef der Waffengattung für Planung, Verwendung und Nachweisführung in Form von Kennbuchstaben (Pz, Ar, Na, Ch u.s.w.) festgelegt. Spalte 2 enthielt die Nummer des Stoffgebietes. Das Stoffgebiet umfasste eine bestimmte artgleiche Ausrüstung und diente zur systematischen Einordnung der gesamten Ausrüstung nach ihrem Charakter. Spalte 3 enthielt die laufende Nummer innerhalb des Stoffgebietes. Die Spalten 4 und 5 legten die vollständige und abgekürzte Bezeichnung fest. Die Spalte 6 legte Bewaffnung bzw. Ausrüstung fest, die bei Fehlen der regulären BA an deren Stelle verwendet werden konnte. Die Spalte 7 legte prinzipiell fest, wo die BA verwendet wurde. Die Spalte 8 enthielt nähere Hinweise oder Erläuterungen zu den Gegenständen.
Damit erhielt jeder Gegenstand der in das VdBA aufgenommen wurde, ein Registrierungskennzeichen. Dieses Kennzeichen wurde in den Ausrüstungsnachweisen sowie bei der Planung als Nachweis der Bestätigung im VdBA verwendet. Es setzte sich aus einer römischen Zahl für den einzelnen Abschnitt, einem großen und kleinen Buchstaben des verantwortlichen Chefs der Waffengattung, der zweistelligen Zahl des Stoffgebietes und der dreistelligen Zahl das die laufende Position im Stoffgebiet angibt, zusammen.

Ein Beispiel:
Zeile im VdBA
Pz -  05 -  003 -  Mittlerer Panzer T 54  -  T 54 - T-34/85, SFL-100, SFL-85 - Panzer-, Aufklärungs- u. Führungseinheiten

Registrierungskennzeichen
Pz   I   05   003

Entsprechend der "Ordnung über die Arbeit in der NVA auf dem Gebiet der Bewaffnung und Ausrüstung" durfte Bewaffnung und Ausrüstung nur geplant, beschafft und verwendet werden, wenn sie im VdBA bestätigt wurde. Der Gegenstand musste also zuerst ins VdBA, dann wurde es beschafft oder nicht.

Auf der folgenden Seite sind ein paar geplante Ausrüstungsgegenstände aus den späten 50er - frühen 60er Jahren, die entweder in geringster Anzahl als Versuchsmodelle vorhanden oder ebend nur geplant waren.

Ab 1964 wurde die Schreibweise im VdBA verändert. Der Inhalt blieb der gleiche. Für die verantwortlichen Chefs der Waffengattungen wurden zweistellige Zahlen verwendet, zum Beispiel 51 für Panzer. Die Stoffgebiete wurden durch vierstellige Zahlen definiert. Damit wa eine viel größere Bandbreite möglich. Einzelne Stoffgebiete konnten noch genauer gegliedert werden. Es blie die dreistellige fortlaufende Nummer in den Stoffgebieten.
Das Registrierungskennzeichen wurde in der Reihenfolge verändert. Zuerst der Abschnitt, dann das Stoffgebiet, die laufende Nummer im Stoffgebiet und schließlich der verantwortliche Chef der Waffenbattung.

Ein Beispiel:
Zeile im VdBA
5111 - 021 - 51 - Mittlerer Panzer T 54 - T 54 - T 34/85, SU-100 - Panzer-, Aufklärungs- u. Führungseinheiten

Registrierungskennzeichen
1    5111    021    51

Diese Gliederung blieb bis 1981 bestehen. In Folge der Einführung computergestützter Nachweistechnik wurde auch das VdBA verändert. Als erstes erhielt es jetzt die Bezeichnung "Verzeichnis der Kampftechnik, Bewaffnung und Ausrüstung", also VdKBA. Der Inhalt blieb der gleiche. Das Registrierungskennzeichen wurde in der Reihenfolge verändert. Es gab keine Abschnitte mehr.  Jeder Gegenstan hat eine eigene Kennzahl. Die Stoffgebiete werden mit zweistelligen Zahlen definiert. Zusätzlich wird jedes Stoffgebiet aber noch mit hilfe einer dreistelligen Ziffer unterteilt. Zuletzt der Chef der Waffengattung, der jetzt "Bedarfsträger" heißt

Ein Beispiel:
Zeile im VdBA
03053 - 12 - 011  -  51 -  Mittl-Pz T 54  -   Mittlerer Panzer T 54

Registrierungskennzeichen
03053   12    011    51

Ab 1984 wurden die Daten der Registrierungskennzeichen um fünf weitere Positionen erweitert. Insgesamt bestand einRegistrierungskennzeichen, jetzt "Angaben zur Datenerfassung" genannt, aus 11 Elementen. Es wurden aber nicht zwingend alle 11 Elemente augegeben.

Hier das Beispiel für den T 54:
Angaben zur Datenerfassung
M03053   12  011  51  2  1  014

Bisher ist es mir noch nicht gelungen, die Bedeutung aller Elemente zu ergründen. 12 steht für das Stoffgebiet "Panzertechnik"; 011 für mitlere Panzer, die 51 für den Bedarfsträger.
Wer aber denkt, dass damit ein beständiges System erarbeitet und gepflegt wurde, irrt. Die Kennzahlen konnten sich von Jahr zu Jahr ändern.
Bei der Startrampe 9P 129 sah das wie folgt aus:

1984    M01831
1987    M05831
1988    M05831
1989    M05831
1990    M01831


Die Gliederung des Verzeichnisses ab 1984 orientierte sich an den Waffensystemen, also Raketen, Panzer, Artilleriebewaffnung, Funkmittel etc.. Innerhalb der Waffensysteme wurden weitere Unterverzeichnisse eingebaut, die eine genauere Untergliederung zulassen. Hier ein kleiner Überblick aus dem VdKBA von 1990:
 
RAKETENBEWAFFNUNG UND AUSRÜSTUNG DES LaSK
.
01
.
Raketensysteme Boden-Boden
.
01   01
.
Startrampen der OTR-Systeme
01   011
.
Startrampe 9-P-117
Startrampe 9-P-71

.

Startrampen der TR-Systeme
01   012
.
Startrampe 9-P-113
Startrampe 9-P-129
.
.
Startfahrzeuge PALR-Systeme
.
01   013
.
Startfahrzeug 9-P-110
Startfahrzeug 9-P-122
Startfahrzeug 9-P-133
Startfahrzeug 9-P-148
.
.
M01835  01  013  50
M01850  01  013  50
M01839  01  013  50
M01833  01  013  50
.
PALR-Komplexe tragbar
.
01   014
Starteinrichtung 9-P-111 (tragbar)
Starteinrichtung 9-P-135 (tragbar)
Starteinrichtung 9-P-151 (tragbar)


Um einen Gegenstand in das VdBA/VdKBA aufzunehmen, wurde vom Chef der Waffengattung / Bedarfsträger ein Antrag zur Aufnahme in das Verzeichnis der ... gestellt. Dieser Antrag wurde für Richtig befunden, von drei übergeordneten Dienststellen befürwortet und dann vom minister für Nationale Verteidigung bestätigt.

Im Bestätigungsdokument sind bis 1963 folgende Daten enthalten:
        - Bedarfsträger, Geheimhaltungsgrad
        - Vollständige Bezeichnung, Kurzbezeichnung
        - Verwendung
        - Taktisch-technische Hauptdaten
        - Herstellerbetrieb/Lieferland
        - Die Aufnahme in das VdKBA wird befürwortet
        - Die Aufnahme in das VdKBA wird bestätigt
        - Einordnung in das VdKBA

Bis 1982 setzt sich das Bestätigungsdokument aus folgenden Daten zusammen:
        - Bedarfsträger, Geheimhaltungsgrad, VdKBA-Nummer
        - Vollständige Bezeichnung, Kurzbezeichnung, Typ, Jahr der Einführung
        - Verwendung
        - Austauschbewaffnung/-ausrüstung
        - Taktisch-technische Hauptdaten
        - Personelle Konsequenzen bei der Einführung
        - Herstellerbetrieb/Lieferland
        - Festlegungen über Verwendungsfreigaben
        - Angaben für die Planung
        - Für die Richtigkeit der Angaben
        - Die Aufnahme in das VdKBA wird befürwortet
        - Die Aufnahme in das VdKBA wird bestätigt
        - Einordnung in das VdKBA

An Hand des Fla-Raketenkomplexes S 200 soll hier der Aufbau eines Bestätigungsdokumentes gezeigt werden.
 

Eine Delegation der NVA nahm im April 1988  an der 37. Tagung des Militärisch Wissenschaftlich-Technischen Rates in Budapest, UVR, teil. Dort wurden die Weichen für die Ausrüstung der Armeen des Warschauer Vertrages bis 1995 gestellt. Es wurden eine Vielzahl von neuen Waffensystemen vorgestellt, die die Schlagkraft des WV erheblich steigern sollten. Hier ein kurzer Überblick zu den interessantesten Neuheiten:

+ Raketenkomplex TOTSCHKA + Panzer T 72S (T 72M1M) + BMP 2 und SPW 80 + Sicherstellungsfahrzeug WT 72 (T 72TK), WZT-3 und TERA-77 + 152-mm-SFL-Haubitze MSTA-B + Geschoßwerfer URAGAN, GRAD-T und PRIMA + selbstfahrende 120-mm-Granatwerfer TUNDSCHA und PRAM-S + 125-mm-Pak SPRUT + tragbarer PALR-Komplex METIS + Fla-Raketen-Systeme TOR und BUK + Fla-Raketensystem IGLA-1 + autonomes System zur Verarbeitung von Angaben der chemischen und Kernstrahlungslage MARIZA + Funkstationen POLJUS und ÄQUATOR + Satelliten- (BRIG), Troposphären- (BAJANIST) und Richtfunkstationen (AZID-2) + SAS-Geräte T-230-1A, T-230-2 und ISTORIK + beweglicher Nachrichtenknoten REDUT-2 + automatische Komplexe R-381T "TARAN-1", R-381U "TARAN-U" und KRTP-86 "TAMARA" + Stationen zur Aufklärung von Richtfunk-, Troposphären- und Satellitenverbindungen "BOLERO" + autonomer Störkomplexe und -stationen "MANDAT-B", R-378Ä, SPR-1, SPR-2, SPN-30 und SPN-40 + Komplexe S-200D und S-300PMU + Systeme "DESNA-M", "NEBO", ST-68, "KASTA-2" und "NUR" + Küsten-Raketenkomplexes "RUBESH-Ä"

(Blau gekennzeichnet sind die Systeme, die tatsächlich in der NVA vorhanden waren, demzufolge auch im VdKBA auftauchten.
Orange gekennzeichnete Technik war für die NVA vorgesehen, also auch im VdKBA enthalten. Diese Technik wurde aber nicht mehr eingeführt.)
 
 
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