Im Internet korrespondiere ich seit fast einem Jahr mit Dirk Caemerlynck unter anderem zu Fragen über den SPW 70. Es sind dabei Fakten aufgedeckt worden, die ich hier präsentieren möchte. An hand des Textes aus dem Buch "Deutsche Militärfahrzeuge - Bundeswehr und NVA" möchte ich die neuen Erkenntnisse, hier rot eingefärbt, präsentieren. Die Kommentare von Dirk Caemerlynck sind grün markiert.
Schützenpanzerwagen 70
Die Einführung der letzten SPW-Generation der NVA begann 1979. Die ersten zwei fabrikneuen Muster des SPW-70 kamen aus der UdSSR. Alle folgenden Fahrzeuge erhielt die DDR aus der SR Rumänien. Die Grundkonzeption des Fahrzeuges blieb gegenüber dem SPW-60PB erhalten. Es kommen zwei Achtzylinder-Viertakt-Ottomotoren mit einer Leistung von 2x115 PS zum Einsatz. Zwischen dem zweiten und dritten Rad befindet sich eine Seitenluke, so dass die Mot.-Schützen gedeckt auf- und absitzen können. Der Wellenabweiser liegt auf dem Fahrzeugbug, die Schalldämpfer der Abgasanlage sind durch eine doppelte Verkleidung geschützt. Von 1980 bis 1986 erhielt die DDR 647 SPW aus Rumänien. Ab Baujahr 1982 kommen leistungsgesteigerte Motoren mit je 120 PS zum Einsatz.
Mit den Lieferungen des SPW-70W ab Baujahr 1987 kommt ein neuer Turm zum Einsatz, der den vertikalen Schwenkbereich der Waffen von +30 auf +60 Grad vergrößert. Damit verbunden ist der Einbau eines neuen Zielfernrohres. So kann der Feuerkampf besser gegen Tiefflieger und Kampfhubschrauber geführt werden. Der Kampfraum ist so geändert, dass der SPW für den Verwundetentransport eingesetzt oder zusätzlich zwei 30-mm Granatwerfer AGS-17 mitführen kann.
Dirk Caemerlynck
dazu:
Nach meinen
Informationen hat die NVA in der Tat zwei verschiedene Produktionslose
des SPW-70 erhalten. Der Typ, der ab 1987 geliefert wurde, war aber mit
dem BPU-1 Turm ausgestattet. Dieser hat, soviel ich weis, als einzige Modifikation
einen zusätzlichen Winkelspiegel in der linken Turmseite. Der Schwenkbereich
jedoch blieb unverändert und vergrösserte sich erst als der BTR-80
mit neuem Turm erschien und einige Sowjetische BTR-70 mit diesem Turm (aber
ohne Nebelwurfbecher) ausgerüstet wurden. Dieser Typ erhielt von der
NATO die Bezeichnung BTR-70 M1986/2 und wurde nie von der NVA benutzt.
Das ist richtig.
Die NVA hat keine SPW 70W erhalten. Die NVA wollte ab 1988 den SPW 70 W
einführen. Aber Rumänien als Lieferland war zu diesem Zeitpunkt
noch nicht in der Lage, den neuen Turm zu liefern. Bei der Erarbeitung
der neuen Vorschrift, also 1987, ging man aber davon aus, den SPW 70 W
ab 1988 zu erhalten. Deshalb erschienen in der neuen SPW-Vorschrift schon
die Angaben zum SPW 70 W. Diesmal war die Theorie schneller als die Praxis.
|
|
|
![]() |
|
|
|
. |
|
|
|
|
|
|
|
Weitere 619 Fahrzeuge, darunter 139 SPW des MdI, erhielt die Armee bis 1990.
Zur Gewährleistung der Führung
der Fla-Raketenzüge 9K32 »Strela 2« der MSB erhielten
die Zugführerfahrzeuge eine veränderte Ausrüstung. Ein zweites
Funkgerät, die Reduzierung des Kampfsatzes, Halterungen für das
»Strela 2«-System sowie veränderte Anbringung der Antennenhalterungen
am Heck des Fahrzeuges wurden dazu durch die Panzerwerkstätten bewerkstelligt.
|
|
|
|
. |
|
Im VdKBA heißt es weiter: Zur Gewährleistung der Führung der Fla-Raketenzüge 9K32 der MSB ist entsprechend den Festlegungen des Chefs TLA des Kommandos der LaSK vorgesehen, die Fahrzeuge der Zugführer (SPW 70) in ihrer Ausrüstung wie folgt zu ändern: Einbau eines zweiten Funkgerätes, Einbau der Apparate Nr. 3 und 4 der Bordsprechanlage, Reduzierung des Kampfsatzes für das 14,5-mm-Turm-MG KPWT um 150 Schuss, Halterung für 9K32 und veränderte Anbringung der Antennenhalterung am Heck des Fahrzeuges. 2 Musterfahrzeuge werden 1987 und 1988 durch die PW 2 umgerüstet, die Fertigung der Umrüstsätze erfolgt durch die PW 2 ab 1988 und Umrüstung der Fahrzeuge in der Truppe 1988/89.
Der Stabschef des MSB erhält
ein Führungsfahrzeug SPW-70(S), das mit zwei weiteren Funkgeräten
und einem HTM-10 ausgestattet ist.
Vom SPW-70(SL) aus leitet der Stellvertreter
des Stabschefs als Fliegerleitoffizier den Einsatzes der Kampfhubschrauber
und hält Verbindung zu den Armee-Fliegerkräften. Dazu ist der
SPW-70(SL) zusätzlich mit dem Funkgerät R 809M2 und einem vierten
Antennenfuß neben der Fahrerluke ausgerüstet.
1989 wurde durch die Panzerwerkstatt 2 ein SPW-70 als Muster für einen SPW-70(Ch) ausgerüstet. Dieses Fahrzeug erhielt die OHS der LaSK in Löbau als Ausbildungsmittel. Dazu erfolgte eine Erweiterung der Ausrüstung des Fahrzeuges mit einer Navigationsanlage, einer Nebelgranat-Verschussanlage, einem Fähnchenschießgerät, Mittel zur Probenentnahme sowie Geräten zur Kernstrahlungs- und chemischen Aufklärung.

Das Bild zeigt den SPW-70(Ch) und ich habe dass Bild vor mehr als 10 Jahren in Großenhain geschossen. Wie Sie wissen gab es von diesem Fahrzeug nur einen einzigen Prototyp, aber trotzdem taucht er als russischer BTR-70RKh in verschiedenen Büchern auf! Es gibt anscheinend noch viel zu tun.
Im VdKBA ist dazu ausgewiesen: "Das KC-Aufklärungsfahrzeug SPW 70 (Ch) ist zur Führung der Kernstrahlungs-, chemischen und unspezifischen bakteriologischen (biologischen) Aufklärung mit einem modernen Gerätekomplex bestimmt. Besatzung - 4 Mann. Ausrüstung - Navigationsanlage TNA-3, Nebelgranat-Verschussanlage, Geräte zur Kernstrahlungsaufklärung, Geräte zur chemischen Aufklärung, Mittel zur Probenentnahme, Hermetisierungssatz und Fähnchenschießgerät. Die Umrüstung weiterer SPW 70 ist gegenwärtig nicht geplant."
Bleibt noch die Frage, was wurde aus den SPW 70.
Mein Zahlenmaterial
zum SPW 70 resultiert einmal aus der Chronik des Panzerdienstes und zum
zweiten aus einem statistischen Dokument vom Bundesamt für Wehrtechnik
und Beschaffung (BWB). Laut Chronik wurde kein SPW 70 bis 1990 verschrottet
bzw. zu Ausbildungsmitteln umgerüstet. Das deckt sich auch mit dem
Material vom BWB und der KSE-Meldung. Was wurde nun aus diesen 1266 Fahrzeugen:
7
Stück wurden für den Bereich Forschung und Entwicklung (FuE)
abgestellt
343
Stück wurden als Länderabgaben verbucht, wobei davon 233 an die
UNO abgegeben wurden. Von diesen 233 kamen 227 zurück, von diesen
227 wurden 224
demilitarisiert/verschrottet, 1 ging an die WTS und 2 in FuE
6
Stück wurden an Museen abgegeben
910
Stück wurden industriell verwertet, wobei 863 zerstört und 47
SPW für Ersatzteilgewinnung genutzt wurden
Bleibt die Frage,
was wurde aus den 110 SPW, die als "Länderabgaben" nachgewiesen wurden
und nicht an die UNO gingen. 60 SPW 70 erhielt Mazedonien als Geschenk
im Sommer 1998. Stellt sich die Frage, wo sind die restlichen 50 Fahrzeuge.
Vielleicht stehen sie ja noch irgendwo, langfristig abgestellt und warten.
|
|
|
Mazedonien 1998 |
Fotonachweis
/ Vorschriften / Angaben:
- Dirk Caemerlynck
- VdKBA
|
|