Geländegängiges Mehrzweckgerät 2,5

Also im Spreewald steht, laut Aussage seines Besitzers, der letzte noch betriebsbereite GMG 2,5. (Glücklicherweise irrte der Besitzer, der Beweis wird am Ende des Beitrages angetreten.)

2,5 steht für das maximal zu bewältigende Gewicht von 2,5 Tonnen. Gefertigt wurde das Fahrzeug vorallem mit Teilen des W 50 im EBAWE Eilenburg..
Im Bestätigungsdokument des VdKBA steht zum GMG 2,5:
"Das GMG 2,5 dient zum feldmäßigen Umschlag von Gütern bis 2,5 t Masse. Infolge der hohen Geländegängigkeit und hohen Straßenfahrgeschwindigkeit kann es im Bestand der Kfz-Kolonnen mit eigener Kraft fahren. Das Ziehen druckluft-gebremster Anhänger sowie Bergearbeiten mittels Seilwinde sind möglich."
Bei Straßenfahrt erfolgte der Antrieb mechanisch, mit der Vorderachse wurde gelenkt. Die Staplerfahrt mittels hydraulischem Antrieb und Allradlenkung. Wobei auch dabei die sogenannte Paßfahrt möglich war. Der Stapleraufbau konnte zur Arbeit im Gelände auch seitlich verdreht werden.
Das 1986 eingeführte Fahrzeug war Nachfolger des bereits seit 1966 eingeführten Vorgängers, des GMG 2-70. Der Gesamtbedarf belief sich auf 75 Fahrzeuge, die bis 1987 ausgeliefert wurden.
 
 
     
 
Stapeleinrichtung seitlich gedreht
 


Dr. Hans-Peter Zinke, Hauptkonstrukteur des GMG 2,5, fasste seine Erinnerungen zu diesem Thema wie folgt zusammen:

Die Entstehungsgeschichte

Irgendwann im Jahre 1983 landete bei baukema die Anfrage aus dem Verteidigungsministerium, ob man dort in der Lage wäre, einen geländegängigen und marschfähigen 2,5 t-Stapler für militärische Einsätze entwickeln und produzieren könne.

Dazu muss gesagt werden, dass im Industriewerk Halle (Kombinat baukema) in den 60-er Jahren das GMG 2/70 entwickelt und gebaut worden war (Wer weiß, ob es davon überhaupt noch ein Exemplar gibt). Das war ein relativ einfacher 2,0-t-Frontmast-Geländestapler, der auf der Grundlage des S 4000 mit dem Frontmast des 3,2-t-Staplers von TAKRAF basierte.

Foto: Olaf Krüger aus Berlin, gefunden in Sachsen (nähe Radebeul)

Bei baukema hatte man gerade zum Zeitpunkt der Anfrage eine Investitionsfreigabe für einen neuen Betriebsteil bei EBAWE Eilenburg (EBAWE Ost) erhalten. Das Problem von EBAWE war jedoch, dass der Betrieb ausschließlich Plattenwerksausrüstungen entwickelte und produzierte und mit abnehmender Investitionstätigkeit auf dem Wohnungsbausektor eigentlich gar nicht mehr richtig ausgelastet war. Ein weiteres Problem war auch, dass es bei EBAWE angeblich keine Konstrukteure gab, die eine derartig komplizierte Maschine entwickeln und konstruieren konnte.

Aus diesem Grunde erhielt die Hauptabteilung Forschung und Entwicklung im Stammbetrieb baukema in Leipzig den Auftrag, das Geländegängige Mehrzweckgerät (GMG) mit einer Nutzlast von 2,5 t zu entwickeln und bis zur Serienreife konstruktiv zu betreuen.

Diese Arbeiten wurden über alle Entwicklungsstufen bis zum Prototypbau, der meiner Meinung bei Baumaschinen Halle (ehemaliges Industriewerk Halle; s.o.) umgesetzt wurde, im Jahre 1984 - 86 in der Abteilung Betonmaschinen im Stammbetrieb Leipzig durchgeführt. Ich war zu diesem Zeitpunkt Hauptkonstrukteur (Hauptabteilung Forschung und Entwicklung) bei baukema und mir unterstand auch diese Abteilung.

Der elektronische Teil, der sehr anspruchsvoll war, wurde ebenfalls im Stammbetrieb baukema, Abteilung Mikroelektronische Steuerungen, der zur Hauptabteilung Forschung und Entwicklung gehörte, bis zur Serienreife bearbeitet.

Ende 1985 wurde der fertig gestellte  erste Prototyp zur Erprobung freigegeben.

Technische Ausführung

Die technische Grundkonzeption basierte auf dem W 50 und ihr lagen die wesentlichen Baugruppen dieses LKW zugrunde – Motor, Achsen, Getriebe mit Nebenabtrieb usw.

Schwierigkeiten gab es, da das GMG zwei Arbeitsregimes zu erfüllen hatte:

1. die Funktion als geländegängiger 2,5-t-Gabelstapler
2. geländegängiges Fahrzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h (Marschgeschwindigkeit)

Für die Funktion Gabelstapler wurden ein hydrostatischer Allradantrieb, eine Allradlenkung unter Verwendung von zwei Vorderachsen des W 50, eine hydraulische Blockierung der Vorderachsfederung und ein Einarmausleger für die Staplerausrüstung gewählt.
Diese Lösungen mussten ausschließlich für das Regime Stapler funktionieren.
Der hydraulische Fahrantrieb bestand aus einer verstellbaren Fahrpumpe und einem verstellbarem Hydromotor, der die Räder über den Nebenabtrieb des Verteilergetriebes antrieb und wodurch eine Staplerfahrgeschwindigkeit von max. 20 km/h erreicht wurde.
Diese Lösung musste ausgiebig erprobt werden, da man in Ludwigsfelde keine Freigabe für die Einspeisung der vollen Motorleistung in den Nebenabtrieb geben wollte.
Die Staplerfunktion wurde von einem fahrzeugmittig platzierten Staplergerüst ausgeübt, das infolge der Ähnlichkeit mit einem Baggerausleger keine geradlinig vertikale Bewegung ausführen konnte. Deshalb wurde mittels einer elektronischen Auslegersteuerung diese Geradlinigkeit nachempfunden, was besonderer Anstrengungen bedurfte, um eine reibungslose Funktionsfähigkeit dieser anfälligen und komplizierten Lösung zu gewährleisten.

Das Arbeitsregime Marschfahrt wurde über das 5-Gang-Getriebe und den Allradantrieb des W 50 realisiert. Bei diesem Regime waren die Blockierung der Vorderachsfederung und die Allradlenkung außer Kraft gesetzt.

Die Erprobung des Prototyps verlief zur Zufriedenheit des Militärauftraggebers und es wurde die Freigabe zur Serienproduktion gegeben.

Mit dem GMG 2,5 konnte bei Militärtransporten ein Stapler in Marschgeschwindigkeit mitgeführt werden, der in der Lage war, an beliebigen Einsatzstellen Stapleraufgaben zu erfüllen (z.B. Entladung von Waggons auf freier Strecke).

Die ersten 10 Seriengeräte

Mit dem Auftraggeber war vereinbart worden, dass die ersten 10 Seriengeräte am 31.12.1986 abgenommen werden mussten. Außer der Produktionsvorbereitung, der Produktionsplanung und dem Materialeinkauf waren seitens EBAWE keinerlei weiteren Bereiche in den Serienstart des GMG 2,5 eingebunden.
Start der Produktion der ersten Serie war im Herbst 1986.

Ich war zu diesem Zeitpunkt wegen eines dreimonatigen Reservedienstes abwesend und kehrte erst in den letzten Novembertagen ein paar Tage vor regulärem Reservedienstende zu baukema zurück.

Dort war unterdessen eine verfahrene Situation dadurch eingetreten, dass sich der gesamte Bereich Konstruktion und Technologie von EBAWE aus der Entwicklung des GMG heraus gehalten hatte.

Den Grund erfuhr ich erst später, aber meinen Konstruktionskollegen aus Leipzig war er bereits damals bekannt: Konstruktion und Technologie hatten ohne Entwicklungsauftrag parallel zu unserer Entwicklung eine völlig anderes GMG entwickelt – einen geländegängigen Teleskopstapler, der im Betriebsteil EBAWE Nord im Musterbau auf den Start zur Erprobung wartete.

Bei meiner Rückkehr zu baukema wurde ich zur Gewährleistung des Serienanlaufes nach Eilenburg abkommandiert und verbrachte mit täglichen Fahrten zwischen Leipzig und Eilenburg und unzähligen Überstunden die Zeit bis zur Abnahme des letzten der 10 Geräte  dort.

Am ersten Tag jedoch, bereits Dezember, standen in der vorgesehenen Produktionshalle außer 20 Montageböcken, auf denen jeweils eine Vorder-, eine Hinterachse und der Rahmen aufgebaut waren, nichts. Die betroffenen Werke waren überhaupt nicht darüber informiert, was auf sie zukam, die Technologie fühlte sich nicht zuständig – man hoffte dort, dass die EBAWE-Eigenentwicklung gebaut werden sollte.

Zur Absicherung des Serienstartes musste der Haupttechnologe bis zur Endabnahme des letzten Gerätes beurlaubt werden, d.h. er war für diese Aufgabe nicht zuständig.
Nachdem eine Woche nach meinem Auftritt bei EBAWE durch einen diskreten Hinweis die Information über den illegalen Teleskopstapler durchgedrungen war, wurde diese Parallelentwicklung mit den Konstrukteuren ausgewertet. Es stellte sich heraus, dass dieses Gerät keine der Lastenheftaufgaben erfüllen konnte und die Konstrukteure wurden nachdrücklich durch den Generaldirektor ermahnt, die Übernahme der Serienbetreuung des GMG 2,5 in Angriff zu nehmen.

Für die erste Serie war das natürlich keine Hilfe mehr, so dass außer mir alle an der Entwicklung beteiligten Konstrukteure des Stammbetriebes persönlich bei der Realisierung dieser Geräte in Eilenburg anwesend waren.

Letztendlich wurde der Auftrag mit der Abnahme des 10. Gerätes durch die Militärabnehmer zum 31.12.1986 erfüllt. Dabei hat uns die Konstruktion in Ludwigsfelde sehr unterstützt. Ohne deren kurzfristige Hilfen bei Materialbeschaffungen und Klärung technischer Fragen hätte der Termin nicht gehalten werden können.

Ein Postscriptum

Im Jahre 1988 war ich auf einer Dienstreise bei balkancar in Sofia. Dort sah ich in den Musterbauräumen mehrere Fahrzeuge, die auf einen Versuch hinwiesen, ein Gerät zu bauen, dass stapeln und in Marschgeschwindigkeit auf der Straße fahren konnte. Keines dieser Geräte hatte letztendlich den Zustand erreicht, den wir mit dem GMG 2,5 umgesetzt hatten.

Als ich mich für diese Fahrzeuge interessierte, gab man mir zur Auskunft, dass man bei balkancar seit mehr als 10 Jahren an diesen Geräten entwickelt hatte. Kurz vor angeblichem Entwicklungsabschluss hätte man jedoch in der DDR ein Gerät entwickelt, dass die komplette Aufgabenstellung erfüllte, so dass man bei balkancar die Entwicklung eingestellt hatte.

Das GMG 2,5 war ursprünglich für die Verwendung bei allen Armeen im Warschauer Pakt vorgesehen. Bei baukema war das GMG 2,5 in einem Zeitraum von 24 Monaten zur Serienreife geführt worden. Ich glaube, dass insgesamt nur ca. 70 – 80 Geräte vom GMG 2,5 gebaut wurden.

Technisch war das Gerät den derzeitig eingesetzten Geräten in allen Armeen überlegen und nach der Wende wurden GMGs oftmals als straßenverkehrstauglicher Radlader eingesetzt, da es dafür auch eine 1,2 m³-Laderschaufel gab.


Die wichtigsten taktisch-technischen Angaben laut K 054/3/74


Art des Kraftfahrzeuges:
Kraftfahrzeugtyp:
Größenklasse:
Hersteller
MEHRZWECK-GER
GMG 2,5
II
EBAWE Eilenburg
Forderungen an den Kraftfahrer:
Fahrerlaubnis Klasse C, Typenberechtigung, Staplerführer, Bedienungsberechtigung
ABE erteilt am: 28.11.88 Typenschein-Nr.:  2621
Kfz-TBE erteilt am: Kfz-TBE Nr.:
..
Aufbau Art/Sitzplätze:
Verwendungszweck
Fassungsvermögen
Außenabmessungen (mm)
lichte Innenmaße (mm)
Stapleraufbau/-
Be- und Entladearbeiten, Bergearbeiten
-   m³   1
-   1    b/D   h
-   1    b/D   h
Fahrgestell Fahrerhaus
Art des Antriebes
Zahl der Achsen / Radformel
Radvorgelege
Ausgleichgetriebesperren
Längsausgleichsperre
Seilwinde
Reifendruckregelanlage
Frontlenkerkabine
Allradantrieb
2 / 4x4
ja
ja
ja
Zugkraft:   25 kN         Seillänge:   50 m
ja
Antriebsmaschine Typ / Art / Takt
größte Nutzleistung / Drehmoment max.
Hubraum
Zylinderzahl / Anordnung
3VD14,5/12-2 SRW / DM / 4
65 kW bei 2200 U/min / 315 Nm bei 1250 U/min
4,92 dm³
3 / R
Bremsanlage Art der Betriebsbremse
Bremsweg
Art der Hilfsbremse
Art der Feststellbremse
Allrad, pneumatisch-hydraulisch, Zweikreis, BKR
bis 20 m bei 40 km/h
Motorbremse - Abgasstau
Federspeicher
Räder Anzahl der Räder / Reserveräder
Bereifung
Reifeninnendruck (1. bis 4. Achse)
4 / 1 St.
16 - 20 ND
1. 300   2. 300   3.      4.       kPa
E-Anlage Bordnetzspannung
Batterie
Lichtmaschine
Anlasser
24 V
12 V   135 Ah  2 St.
24 V   1,0 kW  1 St.
24 V    3,0 kW
Fahrleistungen Steigfähigkeit
Watfähigkeit
Kletterfähigkeit
Überschreitfähigkeit
Bodendruck
maximale Geschwindigkeit
zulässige Dauergeschwindigkeit
Fahrbereich
Wendekreis
55%
800 mm
400 mm
600 mm
       MPa
60 km/h
55 km/h
600 km
13,5 m,  bei Allradlenkung  10,0 m
Masse und Lasten (kg) Leermasse
zulässige Gesamtmasse
Nutzlast
Achslast (1. bis 4. Achse) leer
Achslast (1. bis 4. Achse) zulässig
- Straße
- Gelände
Anhängelast
8800
Straße 8900   Gelände 8900
Straße 2500   Gelände 2500
1.  4100     2.   4700     3.          4.

1.   4200     2.  4700     3.          4.
1.   4200     2.  4700     3.          4.
Straße  8000     Gelände  8000

Abmessungen  (mm bzw. Grad) Maße über alles
kleinste Bodenfreiheit
Spurweite
Radstand (von vorn nach hinten)
Überhangwinkel
Höhe der Ladefläche
Höhe der Containeraufnahmen
Scheitelhöhe der Plane
Höhe der Anhängekupplung
l   5440    b   2500    h  3000
310
v  1870    h  1870
2600
v  25         h  31
-
-
-
-
Kuppelbarkeit Kuppelbar mit folgenden Typen
Anhängekupplung, Typ
Anhängersteckdose, Typ / Spannung
Bremsanlage, Ein-/Zweileitungsanschluß
Abschleppkupplung
Sattelkupplung
zulässige Sattellast
bei Beachtung der Anhängelast und Verbindung mit allen Anhängegeräten
Hakenkupplung,  Größe 16
H-7polig / 24 V
Einleitungsanschluß
Spezialvorrichtung
-
-
Füllmengen  (l) Kraftstoffbehälter
Kühlanlage
Frostschutzanteil
Schmieranlage
Wechselgetriebe
Verteilergetriebe
Zusatzgetriebe
Achsantriebe
Lenkgetriebe
Lenkhilfe
Radvorgelege
Bremsanlage
Luftfilter
Einspritzpumpe
Kupplung
Arbeitshydraulik
Reserverad-/Fahrerhaushydraulik
Seilwinde
Defrosterpumpe
150,0
28,5
10,0
14,0
10,0
3,5
8,0
2,5
5,0
5,0
2 x 1,0
1,0
2,0
0,2
0,5
160,0
-
0,45
0,3
Heizung Fahrzeuggebundene Heizung,  Art
Zusatzheizung,  Art / Typ
Heizleistung
Verbrauch,  Brennstoffart
Überwachung / Überprüfung
Typ 232
-
4,0 kW
0,5 l/h
- / 2 jährig
sonstige Angaben Straßenfahrt:
Staplerfahrt
mechanischer Antrieb und Vorderachslenkung
hydraulischer Antrieb und Allradlenkung


In der Zwischenzeit erreichten mich Fotos noch fahrbereiter GMG 2,5 von Lothar Jentschel aus Bautzen und Torsten Radeke in Emtinghausen.
Beim Militärfahrzeugtreffen in Neiden fuhr dann noch ein viertes Fahrzeug.
Hier die Beweise:

Lothar Jentschel:
 
 
 


Torsten Radeke:

Das Gerät hat die Auftragsnummer 510 aus dem Baujahr 1987 mit 1770 gelaufenen Kilometern.
 
 
 


Neiden 2004:
 
 
 

Und wer weiß schon, ob das alles ist. 1991 übernahm die USA unter anderem 70 Feldumschlaggeräte, 9 Dieselgabelstapler DFG 2002 und 39 Dieselgabestapler DFG 3202 aus den Beständen der NVA.
 
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