Carrier Universal Mark I



Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit diesem Fahrzeug, das im Buch "Deutsche Militärfahzeuge  -  Bundeswehr und NVA" einmal als

- gepanzertes Transportfahrzeug (Universal Bren Carrier)

und zum zweiten als
Universal Bren Carrier Mk IV
bezeichnet wurden.

In KVP-Unterlagen erhielt das Fahrzeug die Bezeichnung "Schlepper (englische Herkunft)".

Carrier heißt übersetzt "Träger, Beförderer, Lastenträger oder Transporteur".
Bleibt immer die Frage: "Welchen Typ des Fahrzeuges hatte die KVP und wie war seine richtige Bezeichnung?" Ich hoffe jetzt endlich diese Frage beantworten zu können.


Im Vorwort zur Bedienungsanleitung des "Carrier Universal:-" von 1943 heißt es:

Diese Anleitung wurde zusammengestellt, um Personal beim Betrieb und der Wartung von folgenden Fahrzeugtypen zu unterstützen:

 Carrier, Universal, Mk. I
 Carrier, Universal, No. 1, Mk. II
 Carrier, Universal, No. 2, Mk. I und Mk. II
 Carrier, Universal, No. 3, Mk. II
 Carrier, 3 inch Mortar (Mörserträger 8 cm), No. 1, Mk. I and Mk. II
 Carrier, 3 inch Mortar (Mörserträger 8 cm), No. 2, Mk. II
 Carrier, 3 inch Mortar (Mörserträger 8 cm), No. 3, Mk. II
 Carrier, Bren (MG-Träger mit Bren-MG), No. 2, Mk. I und Mk. II
Armoured OP (=Observation Point=Beobachtungspunkt=FüFu/ArtBeob), No. 1, Mk. I, - Mk. II und - Mk. III

Die nachfolgenden Absätze beschreiben die Unterschiede hinsichtlich der unterschiedlichen "No." und "Mk.", es wird jedoch darauf verwiesen, dass lediglich die hauptsächlichen Unterscheidungsmerkmale angesprochen werden.

Die vorgesetzte (Prefix) Kennung (No. 1, 3 und 3) kennzeichnet den eingebauten Motortyp:
 No. 1 ist der 65 hp-Motor = 65,9 PS
 No. 2 ist der 85 hp-Motor = 86,2 PS
 No. 3 ist der 95 hp-Motor = 96,3 PS
(1 hp = 1,014 PS = 745,3 W)

Ersatzteile für den 85 hp- und den 95 hp-Motor sind nicht kompatibel mit dem 65 hp-Motor, jedoch kann der komplette Motor untereinander getauscht werden (d. h., der No. 1 65 hp-Motor kann z. B. durch einen No. 3 95 hp-Motor ersetzt werden, was dann den Prefix entsprechend ändern würde).

Die verschiedenen Rüststände (Marks, Mk.) werden in den nachfolgenden Absätzen behandelt. (Hier sollen nur die Varianten Mark I und II behandelt werden)

Alle Universal Carriers haben eine quadratische, senkrechte (vertikale) Heckplatte.

Carrier, Universal, Mark I
Die Besatzung des Fahrzeugs besteht aus drei Mann, zwei im vorderen Kampfraum und einer auf einem Sitz rechts im hinteren Kampfraum.
An den vorderen Kettenabdeckungen befinden sich eckig ausgeführte Schmutzabweiser. Pro Fahrzeugseite ist jeweils eine Aufsteigehilfe (Tritt) installiert.
Anmerkung: Diese Ausführung schließt eine Anzahl von Fahrzeugen ein, die modifiziert und auf den derzeit aktuellen Rüststand gebracht wurden.

     eingesetzt in der KVP als "Schlepper (englischer Herkunft)"

Carrier, Universal, No. 1, Mark II
Die Besatzung des Fahrzeugs besteht aus vier Mann, zwei im vorderen Kampfraum und zwei auf jeweils einem Sitz rechts und links im hinteren Kampfraum.
Das vordere Viertel des oberen Kettentrums wird von einem Staubschutz (=Mini-Seitenschürze) verdeckt. Es sind vier Aufsteigehilfen (Tritte) vorhanden, jeweils zwei pro Fahrzeugseite. Eine Reservelaufrolle und ein Abschleppseil sind am Fahrzeugbug angebracht. Am Heck wurde eine quer verlaufende große Staukiste installiert.

Carrier, Universal, No. 2, Marks I und II
Diese Ausführung entspricht jener des Carrier, Universal, No. 1, Marks I und II, außer das ein Motor mit 85 hp Leistung anstelle des ursprünglichen 65 hp-Motors eingebaut wurde.

Carrier, Universal, No. 3, Mark II
Diese Ausführung entspricht jener des Carrier, Universal, No. 1, Mark II, außer das ein Motor mit 95 hp Leistung anstelle des ursprünglichen 65 hp-Motors eingebaut wurde.

Carrier, Bren (MG-Träger mit Bren-MG), No. 2, Mk. I und Mk. II
Diese Version ist an der ausgebauchte Frontpanzerung vorne links, siehe auch extra Seiten) zu erkennen. Ansonsten entsprechen sie den Universal Carriers.
 

An Hand der Beschreibungen fällt es schwer, die in der KVP genutzten Fahrzeuge zu identifizieren. Es fehlen beispielsweise die Seitenschürzen, die Aufsteigehilfen. Die Reservelaufrolle befindet sich am Heck, dafür fehlt die große Staukiste. Aber ...
Anmerkung: Diese Ausführung schließt eine Anzahl von Fahrzeugen ein, die modifiziert und auf den derzeit aktuellen Rüststand gebracht wurden.

Ich stelle hier also meine Vermutung an:
Auf jeden Fall ist die Bezeichnung "Bren Carrier" falsch, wir hatten keine "Bren-MG".
Vermutlich handelte es sich um die Version "Carrier Universal Mark I". Obwohl im hinteren Teil des Fahrzeuges mindestens vier Mann Platz hatten, fehlt doch die goße Staukiste am Heck. Statt dessen ist die Reservelaufrolle noch am Heck (beim Mark II am Bug). Nicht mehr nachvollziehbar ist die Motorisierung des Fahrzeuges und der Hersteller.

Diese beiden Bilder stammen aus dem "Service Instruction Book" vom Januar 1943


 The Carrier Front View
The Carrier Rear Views 


Die Entstehungsgeschichte

England war lange Zeit führend in der Entwicklung von Kleinpanzern, die in zahllosen Varianten ab 1924 auftauchten. Als rein privates Unternehmen schufen die früheren Offiziere J.V. Carden und Loyd den Prototyp eines kleinen Vollkettenfahrzeuges. 1926 gründeten Carden und Loyd eine Firma zur Herstellung solcher Fahrzeuge und sicherten sich die notwendigen Patente. Nach zwei Einmann-Modellen erschien 1926 das erste Fahrzeug für Zweimann-Besatzung.
Die Carden-Loyd Firma wurde im Frühjahr 1928 von Vikkers übernommen. Das letzte von Carden-Loyd hergestellte Fahrzeug wurde fast unverändert von VickersArmstrong weitergebaut. Gegen Ende 1928 erschien das Fahrzeug „Carrier Universal Mk I“, welche zum ersten Mal eine Bugpanzerung aufwies. Dieses Fahrzeug setzte neue Richtlinien im Kleinpanzerbau und galt jahrelang als Prototyp für zahlreiche Entwicklungen des In- und Auslandes.
„Carrier Universal Mk I“- Fahrzeuge dienten in größeren Stückzahlen bei den englischen Streitkräften zur Unterstützung der Infanterie. Die Entwicklung dieser Carriers war 1933 vorübergehend eingestellt worden, wurde aber ab 1935 wieder aufgenommen.
Eine Überarbeitung des Entwurfes von 1935 führte 1936 zu einem Auftrag über fünf MG-Träger und eine Selbstfahrlafette auf dem gleichen Fahrgestell. Weitere 10 Fahrzeuge folgten und gegen Ende 1936 wurden nochmals 41 Stück nachbestellt. Diese Fahrzeuge kamen in größeren Stückzahlen zur Truppe. Die ersten Bren-MG-Träger entstanden aus einem Umbau des „Carrier Universal No. 2, Mk 1“ durch die Firma Thornycroft. Weitere Hersteller beteiligten sich am Bauprogramm dieses Fahrzeuge.
Der Carrier Universa hatte drei Laufräder pro Seite, vorne war das Fahrzeug mit 10 mm, seitlich mit 7 mm dicken Blechen geschützt.
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß nach all der Entwicklungsarbeit, die von der Vickers-Armstrong Ltd. geleistet wurde, diese Firma nicht einen einzigen der mehr als 40.000 während des Krieges gebauten "Universal-Carriers, herstellte. Lizenzbauten erfolgten in Kanada, Australien, Neuseeland und den Vereinigten Staaten.

Einsatz in der Bundeswehr

Ein Vollkettenfahrzeug der »ersten« Stunde war der englische Universal Carrier, der bis zum Ende des 2. Weltkrieges gefertigt wurde. Das leicht gepanzerte Fahrzeug wurde zum Transport von Waffen, Munition, Soldaten und Material auf dem Gefechtsfeld eingesetzt.
Von Großbritannien wurden 300 Stück für die Bundeswehr als »leicht gepanzerte Schützenwagen« beschafft. Die Lieferung erfolgte in einem 1. Los von 181 Stück im März/April 1956 und in einer Restlieferung von 119 Stück im Oktober/November 1956. Der Auftragswert betrug 2,5 Mill. DM, für Ersatzteile mussten noch einmal 0,5 Mill. DM bezahlt werden.
In der Mehrzahl handelte es sich um Universal Carrier, Typ No. 1 Mk II, - No. 1 Mk II MMG (Vickers 303 medium machine gun) und - No. 1 Mk II 3" Mörser, mit Dreilaufrollen-Fahrwerk.
Die an die Bundeswehr gelieferten Fahrzeuge wurden in der Mehrzahl von der Ford Motor Company (Kanada) produziert.
Die niedrige Silhouette und die Höchstgeschwindigkeit von 51 km/h ließen ihn in der Bundeswehr als Aufklärungspanzer geeignet erscheinen. Er wurde zumindest für eine gewisse Zeit als Halbgruppenfahrzeug, bestückt mit einem MG, eingesetzt.
In dieser Rolle konnte der »Universal Carrier« jedoch nicht befriedigen, so dass am Ende wieder die angestammte Rolle als gepanzertes Transportfahrzeug eingenommen wurde.

Einsatz in der KVP

Zur Erstausstattung der Hauptverwaltung für Ausbildung (HVA) gehörten auch 26 britische »Carrier Universal Mk I«. Das waren die ersten gepanzerten Vollkettenfahrzeuge, die im März 1949 als »Schlepper (englischer Herkunft)« von der Roten Armee übernommen wurden. Rund 3.900 dieser kleinen, wendigen, 4,5 t schweren Schlepper erhielt die Sowjetunion im zweiten Weltkrieg zur Versorgung der Einheiten von Großbritannien entsprechend dem Leand-Lease-Vertrag. In der HVA kamen diese Fahrzeuge zum Transport von Personal oder Materialien zum Einsatz. Die Besatzung bestand aus zwei Mann, zusätzlich konnten bis zu sechs Schützen transportiert werden. Dabei war die Bewaffnung mit der 14,5 mm Panzerbüchse PTRD-41 und dem 7,62 mm MG DT möglich. Unter dem Tarnnamen »Edith« kam der Carrier auch als Munitionsschlepper zum Einsatz. 1953 wurden sämtliche Carrier Universal Mk I an die Hauptverwaltung der Volkspolizei übergeben. 2 Schlepper mußten wegen völligem Verschleiß abgesetzt und zur Gewinnung von Ersatzteilen verwendet werden.
Der "Carrier Universal"  war das einzige Fahrzeug, das in beiden deutschen Streitkräften zum Einsatz kam.


Die wichtigsten taktisch-technischen Angaben


Bezeichnung Carrier Universal Mk I
Hersteller Großbritannien, Lizenzbau: Ford Motor Company of Canada, Ford Motor USA, Australien
Motor Ford GAE 8-Zyl. (V-90°) 4-Takt-Ottomotor
Bohrung / Hub (mm) 77,7 / 95,2
Leistung kW(PS)/min-1 47,8 (65) / 2840
Hubraum (cm3) 3622
Getriebe mechanisch 4 Vor- 1 Rückwärtsgang
Masse / Leistungsgewicht (PS/t) 19,2
Kraftstoffvorrat (Liter) 75
Reichweite mit einer KS-Füllung (km) 180
Allgemeine Daten
Gesamtmaße(L x B x H) (mm) 3658 x 21401) x 16022)
1) Breite über Abdeckung, ohne Abdeckung 1867 mm   2) Höhe über Oberkante Fahrgestell
Auflagelänge der Kette (mm) 1603
Anzahl der Kettenglieder 168
Spurweite (mm) 1585
Kettenbreite (mm) 241
Bodenfreiheit (mm) 203
Watfähigkeit (mm) 610
Überschreitfähigkeit (mm) 137
Kletterfähigkeit (mm) 762
Gefechtsgewicht (kg) 3740 - 4250
Bodendruck (kp/cm²) 0,6
Höchstgeschwindigkeit (Straße) (km/h) 48,2

Es wird darauf hingewiesen, dass sich die Varianten alle auf der gleichen Basis aufbauen, jedoch für unterschiedliche Aufgaben umgebaut wurden; daher sind die Wartungsanweisungen für alle Varianten gleich.

Das Fahrzeug sind oben offen und die rechteckige Wanne besteht aus Panzerplatten.

Der Antrieb ist ein Ottomotor, der seine Kraft über eine Kupplung und ein Getriebe mit mehreren Gängen abgibt.

Das Getriebe überträgt die Kraft auf eine Antriebsachse, die über Antriebsräder verfügt und deren Zahnkränze die Kraft auf die Gleisketten überträgt.

Die Federung erfolgt als Verzögerung, die Laufrollen sind in gegabelten Halterungen befestigt, die aufgesetzten Spiralfedern absorbieren die bei Fahrt entstehenden Stöße (aufgrund von Geländeunebenheiten).


Fotonachweis / Vorschriften / Angaben:
    - Jürgen Plate
    - MHM Dresden
    - Walter Spielberger "Beute-Kraftfahrzeuge und -panzer der deutschen Wehrmacht" Motorbuch Verlag ISBN 3-613-01255-3
    - Carriers:-  Service Instruction Book  1943
 
 
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