Beschussversuche mit T 72M1

Durch die Bundeswehr wurden Anfang der 90er Jahre Beschussversuche mit fünf T 72M1 aus NVA-Beständen durchgeführt. Die Versuche fanden in Meppen statt, die Panzer selber wurden danach durch die IMM verschrottet.
Die bestgehütetsten Geheimnisse im Panzerbau sind neben der Munition die Stärke und Zusammensetzung der Panzerung sowie ihr Schutz gegenüber den wichtigsten Panzerabwehrwaffen. Die Bundeswehr testete die Wirksamkeit ihrer Unterkaliber- und Hohlladungsgranaten gegenüber der Frontpanzerung des T 72M1.
Die Besonderheit beim T 72M1 besteht in der Zusatzpanzerung am Wannenbug und an der Turmfront. Am Wannenbug wurde eine 16-mm starke Panzerplatte zusätzlich aufgebracht, der Turm weist zwei "Taschen" mit Keramikkacheln auf.
 
Hier gut zu erkennen, die 16 mm Zusatzpanzerung auf dem Bug der Wanne. Durch die hohe kinetische Energie der Granaten wurde die Tarnfarbe regelrecht weg gebrannt. Rechts und links neben der Kanone sind die zwei, mit Keramikkacheln ausgefüllten "Taschen" zu erkennen. 
Obwohl der Turm mit mindestens 24 Granaten getroffen wurde, sind keine Risse oder Sprünge in der Panzerung aufgetreten.
Diese Durchschüsse stammen von Unterkalibergranaten. Vermutlich wurde mit einer 120 mm-KE-Granate, Anfangsgeschwindigkeit etwa 1690 m/s geschossen. Die Granaten besitzen Flügel zur Stabilisierung des Fluges. Diese Flügel haben die sternförmige Zeichnung der Treffer verursacht. Hier wird die Wirkungsweise der Keramik-
kacheln in der Turmfront dokumentiert. Die Treffer 2 und 7 weisen nicht die typische Sternzeichnung einer Unterkalibergranate auf. Bei genauerer Betrachtung erkennt man zwei kreisrunde Aufbrüche über den Einschlagslöchern (links zu Treffer 2, rechts zu Treffer 7). Durch die Keramikkachel wurde der Gasstrahl der Hohlladungsgranate nach oben "umgeleitet, die Panzerung also nicht durchschlagen.
2 Treffer auf dem Bug, unterhalb der Fahrerluke, einer auf der Bugspitze. Die Zusatzpanzerung auf dem Bug wurde in beiden Fällen durchschlagen, die nachfolgende Wannenpanzerung ebenfalls.  Blick auf den rechten Wannendurchschuss.
Über den blauen Drehstäben befindet sich im Zentrum des Bildes ein Einschuss. Um das Eintrittsloch ist die Farbe auf Grund der hohen Temperatur weggebrannt. Ausserdem sind Verformungen in der Panzerung, die nach links laufen, erkennbar.